Neue EU-Regeln zur Weinkennzeichnung: was aufs Etikett muss
Neue Regeln zur Weinkennzeichnung - das solltest du als QA wissen
Seit Dezember 2023 gelten strengere EU-Anforderungen an die Kennzeichnung von Wein und aromatisierten Weinerzeugnissen, festgelegt in der Verordnung (EU) 2021/2117. Wo zuvor "Enthält Sulfite" ausreichte, müssen nun auch die Zutaten und Nährwerte angegeben werden. Das darf physisch auf dem Etikett oder (teilweise) digital per QR-Code erfolgen. Besonders QA-Manager und Qualitätsverantwortliche stehen damit vor neuen Herausforderungen.
Wichtigste Pflichten:
- Zutatenverzeichnis: Alle verwendeten Zutaten müssen aufgeführt werden, beispielsweise "Trauben, konzentrierter Traubensaft, Sulfite". Das darf direkt auf dem Etikett oder per QR-Code erfolgen.
- Nährwerte: Der Energiewert (kJ/kcal) muss immer auf dem Etikett stehen. Die vollständige Nährwertdeklaration (Zucker, Fette usw.) darf per QR-Code bereitgestellt werden.
- Allergene: Allergene wie Sulfite, Ei, Milchbestandteile und Lysozym müssen immer physisch auf dem Etikett stehen - nicht nur digital.
Achtung: Der QR-Code darf ausschließlich zu den Pflichtinformationen führen (keine Werbung, keine Cookies).
Mehr Informationen und Beispiele: Europäische Kommission - Weinkennzeichnung.
Praktische Probleme für QA-Teams - so gehst du sie an
Viele Qualitätsmanager und QA-Fachleute in der Lebensmittelbranche stoßen in der Praxis auf neue Schwierigkeiten, jetzt wo Weinetiketten umfangreicher werden müssen:
- Unsicherheit bei der digitalen Kennzeichnung: Wie erstellt man einen cookiefreien QR-Code, der nur die Pflichtinformationen enthält, ohne Werbung oder Tracking?
- Fehlende Beispieletiketten: Klare, korrekte Beispiele, die sich direkt übernehmen lassen, sind schwer zu finden.
- Datenbeschaffung: Wie bekommst du als Importeur die richtigen Informationen von ausländischen Produzenten - Zutaten, Allergene und vollständige Nährwerte?
- Allergenangabe: Was muss aufs Etikett, was darf per QR, und wie präsentierst du das verständlich für Verbraucher und Behörden?
- Kleine Etiketten: Wie bringst du alle Pflichtangaben sauber auf einem kleinen Weinflaschenetikett unter?
- Mehrsprachigkeit: Muss alles in mehreren Sprachen stehen, und gilt das sowohl für das Etikett als auch für die Webseite hinter dem QR-Code?
Praxisbeispiel 1: Unvollständige Informationen vom Produzenten
Ein kleiner Weinimporteur erhält von einem spanischen Produzenten nur die Angabe "Trauben, Sulfite". Nährwerte fehlen. Der QA-Verantwortliche kann das Etikett nicht fertigstellen. Lösung: Fordere explizit eine vollständige Nährwertdeklaration an. Kann der Produzent diese nicht liefern? Dann lass eine Laboranalyse durchführen.
Praxisbeispiel 2: Fehlerhafte Allergenangabe
Ein Winzer setzt "Enthält Sulfite, Ei, Milch" nur hinter den QR-Code. Bei einer Kontrolle folgt eine Abmahnung: Allergene müssen immer auf dem physischen Etikett stehen, nicht nur digital. Lösung: Gib Allergene immer physisch auf dem Etikett an, zum Beispiel "Enthält: Sulfite, Ei, Milch (Allergene)".
Praxisbeispiel 3: QR-Code mit Marketing
Eine Weinmarke verlinkt den QR-Code auf eine Produktseite mit Werbung und Tracking-Cookies. Das ist nach den EU-Regeln nicht erlaubt. Lösung: Stelle sicher, dass dein QR-Code ausschließlich zu den vorgeschriebenen Zutaten- und Nährwertangaben führt, ohne Werbung oder Tracking.
Häufig gestellte Fragen zum neuen Weinetikett
Muss jede Zutat von Wein jetzt aufs Etikett?
Ja, seit Dezember 2023 müssen alle verwendeten Zutaten angegeben werden, zum Beispiel "Trauben, konzentrierter Traubensaft, Sulfite". Das darf direkt auf dem Etikett oder per QR-Code erfolgen.
Ist die Angabe der Nährwerte für Wein Pflicht?
Der Energiewert (kJ/kcal) ist immer verpflichtend auf dem Etikett. Die übrigen Nährwerte (wie Zucker, Fette, Kohlenhydrate) dürfen per QR-Code bereitgestellt werden, sofern dieser leicht zugänglich ist.
Darf ich Allergene nur per QR-Code angeben?
Nein, Allergene wie Sulfite, Ei, Milchbestandteile und Lysozym müssen immer physisch auf dem Etikett stehen.
Was, wenn mein Produzent keine Nährwerte liefern kann?
Dann bist du als Importeur oder Abfüller verpflichtet, diese selbst analysieren zu lassen. Ohne diese Informationen kannst du das Produkt nicht regelkonform kennzeichnen.
Darf ich den QR-Code auch für Werbung nutzen?
Nein, der QR-Code darf ausschließlich zu den Pflichtinformationen führen, ohne Marketing, Upselling oder Cookies/Tracking.
Darf ich alle Informationen auf Englisch angeben?
Für Wein, der für den deutschen Markt bestimmt ist, müssen alle Pflichtinformationen (auf dem Etikett und hinter dem QR-Code) in deutscher Sprache verfügbar sein.
Nützliche Tipps für QA-Teams bei der Weinkennzeichnung
- Fordere von deinem Produzenten/Importeur explizit die vollständige Zutatenliste und Nährwertdeklaration an.
- Prüfe, ob Allergene immer physisch und deutlich auf dem Etikett stehen (am besten fettgedruckt).
- Kontrolliere deinen QR-Code: Führt er direkt zu einer cookiefreien, informativen Seite ohne Werbung?
- Erstelle ein Standardformat für deine Weinetiketten, damit nichts vergessen wird.
- Halte die Dokumentation für behördliche Kontrollen bereit.
Mehr erfahren? Sieh dir die offizielle Übersicht auf der Website der Europäischen Kommission an.